Den Haag


Den Haag
Den Haag:
Residenzstadt u. Regierungssitz der Niederlande; vgl. Haag.

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I
Den Haag
 
[niederländisch dɛn'haːx], amtlich niederländisch 's-Gravenhage [sxraːvən'haːxə], deutsch auch Der Haag, französisch La Haye [la'ɛ], englisch The Hague [ȓə 'heɪg], Residenzstadt sowie Regierungs- und Parlamentssitz der Niederlande, Hauptstadt der Provinz Südholland, reicht mit dem Stadtteil Scheveningen bis an die Nordsee, (1998) 442 800 Einwohner (1830: 56 000, 1900: 206 000, 1960: 606 000 Einwohner); bildet mit den stark gewachsenen Satellitenstädten Leidschendam, Rijswijk, Voorburg, Wassenaar und Zoetermeer eine Agglomeration von (1998) 699 400 Einwohner in der Randstad Holland. Den Haag ist Sitz des höchsten niederländischen Gerichts (Hoge Raad), des Internationalen Gerichtshofs und des Ständigen Schiedsgerichtshofs; Völkerrechtsakademie, Hochschule für Sozialstudien, Königliche Akademie der Bildenden Künste, Königliches Konservatorium für Musik und Tanz; Staatsarchiv, Königliche Bibliothek; Mauritshuis (mit niederländischer Malerei), Rijksmuseum Hendrik Willem Mesdag (französische und niederländische Malerei des 19. Jahrhunderts), Gemeinde-, Kostümmuseum, Niederländisches Postmuseum u. a.; Theater.
 
Den Haag ist Kongressstadt, Fremdenverkehrszentrum und wichtiger Verkehrsknotenpunkt; die Industrie umfasst Metallverarbeitung, elektrotechnische, chemische, pharmazeutische, Druck- und Nahrungsmittelindustrie. Große Firmen wie die Royal Dutch/Shell-Gruppe (weiterer Sitz ist London) haben in Den Haag ihren Sitz. Der Stadtteil Scheveningen ist Seebad und Fischereihafen (mit Fischhandel und Fisch verarbeitender Industrie).
 
 
Die mittelalterlichen Gebäude des Binnenhofs sind im Wesentlichen erhalten. Zu seinen ältesten Teilen gehören der spätromanische Rolsaal (um 1250) und der unter Graf Floris V. (* 1254, ✝ 1296) erbaute frühgotische Rittersaal mit offenem Dachstuhl; im südöstlichen Anbau das Ratszimmer des Gerichtshofs, 1688 von G. de Lairesse mit Wandgemälden ausgestattet (Lairessesaal); übrige Bauten v. a. 17. und 18. Jahrhundert, u. a. ehemaliger Sitzungssaal (1652-57) der holländischen Stände (Staaten) mit bemalter Holzdecke sowie der ehemalige Sitzungssaal der niederländischen Generalstaaten und der Trêves-Saal, beide von D. Marot (1697). Südwestlich des Binnenhofs liegt die Grote Kerk, ein spätgotischer Bau (Ende 14. Jahrhundert/Mitte 15. Jahrhundert); dreischiffiger Chor mit Umgang, darin Grabmal des Admirals J. van Wassernaar Obdam (1667), Wappenschilder der Ritter vom Goldenen Vlies (16. Jahrhundert) und Glasmalerei (um 1545). Die Kloosterkerk (um 1400) enthält Glasmalerei (1925) und ein Mosaik von J. Thorn-Prikker. Die Nieuwe Kerk, ein Renaissancebau (1649-56), wirkt trotz des rechteckigen Grundrisses durch die sechs angebauten Apsiden wie ein Zentralbau. Die altkatholische Kirche, eine »Versteckkirche« (1772 vollendet), hat eine Stuckdecke und Schnitzarbeiten (Anfang 18. Jahrhundert). Unter den Profanbauten ist das Rathaus (1564-65, später mehrfach erneuert) zu nennen, einer der reichsten Bauten der niederländischen Frührenaissance; königliches Lustschloss Huis ten Bosch (1645 begonnen, 1734-37 erweitert). Der ehemalige Palast Noordeinde (ursprünglich 1533) wurde 1640 und 1814 umgebaut (nach Brand von 1948 restauriert), der königliche Palast Lange Voorhout stammt aus dem 18. Jahrhundert Zu den Bauten des 20. Jahrhunderts gehören u. a. der Friedenspalast (Vredespaleis, 1907-13; heute Sitz des Internationalen Gerichtshofes) in eklektischem Stil, das Kaufhaus »De Bijenkorf« (1926, von P. Kramer) als Beispiel der »Amsterdamer Schule«, Bauten von H. P. Berlage, darunter das Gemeindemuseum (1927-35) und die First Church of Christian Science (1925). G. T. Rietveld schuf in den 30er-Jahren mehrere Wohnhäuser. J. J. P. Oud errichtete u. a. den Shell-Verwaltungsbau (1938-42) und das Nederlands Congresgebouw (1958-69; Kongresszentrum); auf M. Breuer geht das Botschaftsgebäude der USA (1957) zurück. A. van Eyck baute 1969 in der Aaltge Noordewierstraat eine Kirche. Der moderne Gebäudekomplex der Königlichen Bibliothek wurde 1982 fertig gestellt. Mit der Neugestaltung des Stadtzentrums seit Mitte der 80er-Jahre entstanden zahlreiche Projekte unter Mitwirkung bedeutender Architekten (u. a. Joan Busquets; Joe Koenen; M. Graves; R. Krier; Architektenbüro »Office for Metropolitan Architecture«, Abkürzung OMA; Sjoerd Soeters). R. Koolhaas baute das Niederländische Tanztheater (1984-88), nach Entwürfen von H. Hertzberger entstand das »Theater aan het Spui« (1993), R. Meier erhielt den Auftrag für den Neubau des Stadthauses, das zwischen 1990 und 1995 errichtet wurde.
 
 
Den Haag entstand um ein etwa 1250 erbautes Schloss (Binnenhof) der Grafen von Holland. Eine erste bürgerliche Ansiedlung ist 1370 urkundlich bezeugt. Sie entwickelte sich, von Grachten umgeben, um das Grafenschloss. Albrecht von Bayern (* 1330, ✝ 1404) lebte hier bis zu seinem Tod, danach blieb Den Haag Residenz der Grafen, später der burgundische und habsburgische Statthalter. Einen neuen Aufschwung erlebte Den Haag, dessen Einwohnerzahl sich im 16. Jahrhundert durch Seuchen und Brände stark vermindert hatte, als ab 1580 die holländischen Stände und auch die Generalstaaten im Binnenhof tagten. Moritz von Oranien erhob den Binnenhof wiederum zur Residenz der Statthalter. Obwohl von Karl dem Kühnen bereits 1470 als Stadt bezeichnet, konnte Den Haag erst 1811 das Stadtrecht endgültig erringen.
II
Dẹn Haag
 
[niederländisch dɛn 'haːx], Der Haag, Stadt in den Niederlanden, Den Haag.

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Den Haag: Residenzstadt der Niederlande; vgl. ↑Haag.

Universal-Lexikon. 2012.

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